Graf LucknerStamm_Graf_Luckner.html
Herzlich WillkommenStamm_Graf_Luckner.html
 

Von Luckner zum "Seeteufel"


1914 beginnt der 1. Weltkrieg.

England ist traditionell die Seemacht und verhängt ein Handelsboykott über Deutschland, so dass kein Handelsschiff mit Lebensmitteln bzw. kriegswichtigen Materialien nach Deutschland durchkommen kann.


Man überlegt, den Spieß umzudrehen und entwickelt 1916 die Idee, ein Segelschiff zum getarnten Kriegsschiff umzubauen, was noch im selben Jahr in die Realität umgesetzt wird. Felix Graf von Luckner wird Kapitän der "Seeadler" und sticht in geheimer Mission zur See.?Um unentdeckt in den atlantischen Ozean zu kommen, wird das Schiff als norwegisches Handelsschiff getarnt. Auch jeder Mann der Besatzung erhält eine norwegische Identität. Wer nicht norwegisch kann, soll plattdeutsch sprechen.

Das Vorgehen ist immer gleich: heranfahren, Kriegsfahne hissen, zum Beisteuern auffordern, Warnschuss abgeben, Besatzung und Lebensmittel übernehmen und das Schiff samt den kriegswichtigen Materialien versenken.

Auf diese Weise wurden 14 Schiffe der Kriegsgegner versenkt und "lediglich" ein Mann aus Versehen getötet. Mit der Zeit erreichte man eine Personenzahl auf dem Schiff von über 120 Mann, wobei die deutsche Besatzung mit den Gefangenen ein inniges Verhältnis aufbaute und auch einmal pro Woche die Bordkapelle für alle spielte. Doch irgendwann ist auch die Kapazität einer Seeadler erschöpft und Graf Luckner steht vor der Wahl: erschießen oder freilassen. Jedoch wenn man die Leute frei lässt, würde man zwangsläufig entdeckt und verfolgt werden.

Wie alles begann...


Am 9. Juni 1881 wird Felix Graf von Luckner in Dresden geboren und wächst auf dem väterlichen Gut Pennrich auf.


Seine Lehrjahre


Er reißt 1897 von seiner Großmutter aus und mustert als Schiffsjunge Phylax Lüdicke auf dem russischen Vollschiff „Niobe“ an.

Bis 1903 macht er weitere Fahrten auf Schiffen verschiedener Reedereien, meistens in den Gebieten Australien / Amerika.

1903 erwirbt er das Steuermannspatent in Lübeck und wird Wachoffizier auf der „Petropolis“.

1904/05 meldet er sich freiwillig zur kaiserlichen Marine.

1907 erwirbt er das Kapitänspatent der Seefahrtsschule Papenburg.

1911 wird er zum Oberleutnant zur See befördert.

Der Kapitän entscheidet sich für die Freilassung der Gefangenen und kapert für sie ein Schiff. Er läßt die Masten dieses Schiffes kürzen, damit sie langsamer sind als die "Seeadler". Damit hat er ca. 14 Tage Vorsprung. Die einzige Chance die sie allerdings haben, ist in den Pazifischen Ozean über zusetzten und dabei das Kap der Guten Hoffnung zu umrunden. Sie schaffen es und um ihr Kentern vorzutäuschen, werfen sie jegliches Material mit der Aufschrift „Seeadler“ über Bord. Auch das Deutsche Reich erfährt von dem „Unglück“ und so wird aus Luckners stolzer "Seeadler" ein Geisterschiff auf dem pazifischem Ozean. Hier gibt es allerdings keine Schiffe, die sie überfallen könnten. Lange segeln sie umher und Skorbut breitet sich in der Mannschaft aus. Ein einziges Schiff treffen sie, welches aber kaum Nahrungsmittel an Bord hat. Schließlich erreichen sie eine Insel Namens Mopelia (265 Meilen westlich von Tahiti). Sie ankern, und fast die ganze Mannschaft geht, um Lebensmittel zu sammeln von Bord? Plötzlich fängt das Schiff an zu treiben und der diensthabende Offizier gibt das Kommando „Volle Kraft zurück!“. Leider hängt der Anker noch fest und das Schiff driftet wieder ab. „Volle Kraft voraus!“ - doch es ist zu spät: Die Seeadler sinkt wegen eines groben Fehlers des Offiziers. Was ist zu tun? Da immer noch offiziell Krieg ist, müsste der schuldhabende Offizier erschossen werden – doch das will keiner.


Graf Luckner entwickelt eine Sage. Eine Geschichte, auf die die ganze Mannschaft eingeschworen wird und die alle bis in den Tod für sich behalten werden: Eine Flutwelle, ausgelöst durch ein Seebeben, soll das Schiff, als alle beim Landgang waren, versenkt haben! Nun sitzen sie dort und warten ohne dass etwas passiert. Sie sind zu weit von der Schifffahrtsroute entfernt. Um Hilfe zu holen segelt Luckner nach ein paar Monaten des Wartens mit ein paar Mann in einem umgebauten Beiboot los.


Am 01.09.1917 passiert das Unglaubliche: Die in der Sage beschriebene Flut kommt wirklich und zerstört nahezu die komplette Insel - man steht wieder am Anfang.


Doch am 5.9. kommt die Rettung, ein Handelsschiff legt an, um irgendetwas von der Insel aufzunehmen. Kurzer Hand wird das Schiff von den zurückgebliebenen Mannen gekapert und die Besatzung als Gefangene genommen. Sie taufen das Schiff "Fortuna" und segeln zu den Osterinseln, wo sie vorerst bleiben. „Fortuna“ ist allerdings sehr morsch und entwickelt sich zum schwimmenden Sarg; glücklicherweise können alle auf einem anderen Schiff ein paar Monate später wohlbehalten nach Deutschland zurückkehren.


Luckner erreicht unterdessen Neuseeland, wird dort gefangen genommen und interniert. Er schafft eine Flucht mit dem Motorboot des Kommandanten des Gefangenenlagers, kapert darauf den Küstensegler „Moa“ und wird wieder gefangen genommen. Aber auch hier ist sein Talent Menschen zu faszinieren wieder von Nutzen: Die Maori erkennen in ihm die Wiedergeburt des verstorbenen Häuptlings Wai Te Te und machen ihn zum Anführer ihres Stammes.

1919 kehrt er auf einem englischen Truppentransporter nach Halle in Deutschland als der "Seeteufel" zurück und hält seinen ersten Vortrag in der dortigen „Saalschloß Brauerei".

„Man soll nicht immer alles den Diplomaten überlassen!“


Unter dieses Motto stellt der schriftstellernde Graf, dessen Memoiren in Amerika eine Auflage von mehreren Millionen erreichen, den zweiten Teil seines Lebens. Nach einigen Ausbildungsaufträgen nimmt er im Mai 1922 Abschied von der Marine und widmet sich nur noch der Vortragstätigkeit.


Am 31. März 1925 wird der Verein „Graf Luckner´s Weltumseglung e.V.“ gegründet.

Ziel dieses Vereins ist es, Luckner das nötige Geld zu besorgen, um ihm die Weltreisen und Lesungen finanzieren zu können. Unterstützt wird er dabei maßgeblich von der jungen Republik, die sich dadurch eine Ansehensverbesserung in der ganzen Welt erhofft. So wird ein stattlicher Viermastgaffelschoner gekauft, der den Namen „Vaterland“ trägt.


„Auf ging es zu neuen Kaperfahrten! Diesmal hatte ich es auf die Herzen abgesehen. Meine Aufgabe wußte ich: Freunde wollte ich finden und dem Haß ein Schnippchen schlagen.“ Es soll eine Reise der Völkerverständigung werden, ausgerüstet mit Ausstellungsstücken aus ganz Deutschland, um die diplomatische und wirtschaftliche Zusammenarbeit weltweit zu verbessern.


Es war sozusagen eine schwimmende Messehalle und es geht im September 1926 los. Planmäßig kommen sie in New York an, man zeigt das Schiff und Luckner hält seine Vorträge. Er hält mehr Vorträge als er eigentlich soll. Später reist er auf eigene Faust durch Amerika, immer an der Seite seiner Frau, läßt sich einladen so oft es geht und erzählt immer und immer wieder die Geschichte von der „Seeadler“. Gegen Bezahlung macht er sogar Kreuzfahrten in die Karibik und zeigt sich auch hier von seiner besten Seite. Amerika liebt ihn und jeder kennt ihn. Sein diplomatisches Geschick zeigt Luckner, als er dem Bürgermeister von San Francisco zur Entschuldigung die Fahne eines von ihm versenkten Schiffes überreicht. Darauf erhält er die Ehrenbürgerschaft der Stadt. Weiter erhält er noch die Ehrenbürgerschaft von Miami und sogar von den Vereinigten Staaten von Amerika.

Graf Luckner und die Pfadfinderei


Nachdem so viel über Graf Luckner bekannt ist, gibt es nur noch eine Frage, die Frage schlechthin! Warum ist er denn nun genau der Namenspatron unseres Stammes


Es gibt einige Verbindungen im Leben des Grafen zwischen ihm und der Pfadfinderei. So war Luckner Ehrenpräsident der Seepfadfinder im Bund deutscher Pfadfinder (BDP) während der 50er Jahre. Am 22. August 1955 wird ihm in einer öffentlichen Feierstunde im Rathaus der alten Hansestadt Bremen diese Ehrenpräsidentschaft verliehen. Eine weitere Präsidentschaft wird dem "Seeteufel" auf einer seiner Nord-Amerika-Reisen verliehen. Er wird von der Pfadfinderbewegung zum Ehrenpräsidenten ernannt. Im BDP wird ein Stamm in der Landesmark Bayern gegründet, der auch im engen Kontakt zu ihm stand. Leider gibt es diesen Stamm nicht mehr. So sind wir zur Zeit (so weit bekannt) der einzige Stamm, der den Namen Graf Luckners trägt.


Entstanden sind wir durch die Aufteilung der Horste Dr.G.A. Krummacher in die Stämme Graf Luckner und Otto Meisner (existiert nicht mehr). Da kein im Moment Aktiver bei der Stammesgründung dabei war, ist es leider nicht möglich, die offiziellen Beweggründe der Wahl unseres Namenspatrons darzulegen. Deshalb kann man nur den Versuch wagen, einige mögliche Motive zu finden. Graf Luckner war ein richtiger Abenteurer, Tramp und Seefahrer. Er erlebte viele interessante Dinge in seinem bewegten Leben. Dabei war er allen Leuten ein guter Freund, und unter Seefahrern war er als toleranter, geselliger Freund bekannt. Er fand viele Freunde auf der ganzen Welt und mit den meisten blieb er bis an sein Lebensende in engem Kontakt. Besonders bekannt wurde er aber durch seine Kaperfahrten mit der „Seeadler" im 1. Weltkrieg und seinen Weltreisen zur Völkerverständigung. Auf seinen Kaperfahrten versuchte er, soweit es ging, einen „anständigen und ritterlichen Krieg" zu führen, in dem er kein Blut vergoß. So konnte sein Gewissen und das von der Mannschaft rein bleiben. Die Besatzungen der versenkten Schiffe lebten als Gäste in einer großen Gemeinschaft mit der Besatzung der „Seeadler“ zusammen, bis sie auf einem gekaperten Schiff nach Hause fahren durften. Er rettete im 2. Weltkrieg die Stadt Halle vor der Bombardierung, indem er mit den Amerikanern verhandelte und somit ein Blutbad verhinderte. Für diese sozialen Taten erhielt er 1953 das große Bundesverdienstkreuz. Die Anerkennung der Würde des Menschen und dessen Leben, unabhängig von seiner Nationalität und seiner politischen Gesinnung ist ein Grundsatz des Handelns Luckners. Diese vorbildliche Haltung sollten auch wir auf unser Pfadfinderleben übertragen. Besonders die Achtung und Erhaltung des menschlichen Lebens war für Luckner vorrangig. Dies zeigt sich in seinen zahlreichen Lebensrettungen, bei denen er selbst sein eigenes Leben aufs Spiel setzte. Man könnte es auch so formulieren : „Ich will zuverlässig sein und für andere eintreten“ (für alle Nichtpfadfinder sei hier gesagt, das ist eine Pfadfinderregel).


Ein weiterer wichtiger Punkt sind seine vielen Reisen, auf denen er versuchte, das Ansehen der deutschen Bevölkerung nach den beiden Weltkriegen zu verbessern. In seinen Reden sprach er vom Willen der Menschen, eine friedliche Zukunft zwischen allen Ländern aufzubauen. Dabei vertrat er keine politische Meinung, sondern sein Erfolg beruhte darauf, dass er das Gute im Herzen der Menschen weckte und so für Verständnis der Menschen untereinander warb. Dieses ist die Basis für die Völkerverständigung. Oder auch hier könnte man sagen: „Ich will zur Freundschaft aller Pfadfinder und zum guten Miteinander aller Menschen beitragen.“ Auch für unsere Regel „Ich will zuversichtlich sein" hatte Luckner eine Weisheit auf den Lippen: „Kiek in de Sünn un nich in dat olle Musloch, wo dat so duster is!“ Man sieht also, dass es zahlreiche Zusammenhänge zwischen dem Leben, dem Handeln und dem Denken Luckners mit den Ideen des Pfadfindertums gibt.

Schwere Zeiten im 3. Reich


„1933 kam Hitler an die Regierung und Deutschland erlebte eine Scheinblüte, auf die auch ich für kurze Zeit hereinfiel.

Diese kurze Zeit genügte völlig, dass ich seitdem von der hohen Politik die Nase voll habe. Ich hielt zwar meine Vorträge wie immer, aber irgendetwas stimmte nicht mehr. Am liebsten hätte ich mich auf das Meer geflüchtet, um die klare, reine Seeluft und frischen Wind um mich zu haben. Da kannte ich mich wenigstens aus.“

                                                        -Graf Luckner aus „Aus siebzig Lebensjahren“-


Das ging jedoch vorerst nicht, denn sein Schiff brannte ab, und so stand er da in einem Land, das ihm fremd war und ohne Geld für ein neues Schiff. Er fing wieder von vorne an. Er ging hausieren, um Geld für ein neues Schiff zu sammeln, was er auch schaffte und sich den Segler „Seeteufel“ zulegen konnte. Seine diesmalige Vortragsreise hatte folgenden Verlauf: Oslo, Karibik, Panamakanal, Cocosinseln, Tahiti, Australien, Indonesien, Ceylon, Aden, Suez Kanal, Mittelmeer, Italien, Gibraltar, England.

Doch sein Ansehen war stark geschrumpft, schließlich war Luckner ein Deutscher und in Deutschland waren die Nazis. Niedergeschlagen kehrte er 1939 zurück und es erwartete ihn nichts Gutes. Wegen seiner engen Verbindungen zu Juden und der Tätigkeit in der Freimaurerloge „Zur goldenen Kugel Nr.66“ wurde auch er Opfer der Zensur. Seine Vortragstätigkeit und das Verlegen seiner Bücher wurden verboten, aus den Klassenzimmern wurden seine Bilder entfernt und Seeoffizieren wurde nahe gelegt, sich mit ihm nicht sehen zu lassen.

Er war nicht Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen, auch nicht in einer Formation der Wehrmacht, also eventuell in der Kriegsmarine einem Befehl unterstellt. Er hatte lediglich das Recht, die Uniform eines Korvettenkapitäns zu tragen, was ihm beim Ausscheiden aus der Reichsmarine im Jahre 1922 zugestanden worden war.


Als der Krieg endete, verurteilte Hitler den „Seeteufel“ zum Tode, weil er die Stadt Halle an der Saale dem Feind übergeben hatte.

Graf Luckner war von der Stadt Halle gebeten worden, als Parlamentär zu fungieren, und hat somit die Stadt vor der Zerstörung bewahrt. Das Todesurteil feierte Luckner mit den Soldaten der 104. amerikanischen US-Division der „Timberwölfe“, die ihn prompt zum Ehrenoberst ernannten.


Ein Brief der Jüdin Frieda Emy Schäfer an den Grafen aus dem Jahre 1951



207 W 106 str apt 14B

Frieda Schäfer jetzt Frau Röschen Janson

New York City, NY


Lieber Herr Graf,


welch wundervoller Zufall, daß ich Sie nach all den Jahren hier in Amerika nach Ihrem Vortrag in New York in der Sankt-Paulus-Kirche wiedergefunden habe. Könnte es einen schöneren Platz des Wiedersehens geben als in der Kirche. Pastor Luhr war so nett und ließ mich als Jüdin hinein.


Als ich Sie nach all den Jahren wiedersah und Ihrem zu Herzen gehenden Vortrag lauschte, da tauchten in mir die Qualen der Todesangst und Verzweiflung auf, als ich vor meinem Abtransport nach Auschwitz in Ihre Arme lief und Sie flehentlich bat, mein junges Leben zu retten, und Sie in Ihre Tasche griffen und mir den Paß auf den Namen Frieda Schäfer gaben; einer Toten durch Bombenangriffe, den Sie kurz vorher auf der Straße gefunden hatten. Ein Omen, was mich rettete. Sie waren so menschlich, nahmen mich in das Haus Ihrer Frau, Limonenstraße 3a, wo Frau Lindemann wohnte, und gaben mir Schutz und dann Stellung in der Giesebrechtstraße. Ihre tröstenden Worte, - die Nazis verlieren den Krieg, haben sie Geduld-, gaben mir Kraft.


Gott schütze meinen Retter.


Frieda Schäfer, jetzt Röschen Janson


God Bless You.


(für die Echtheit dieses Briefes gibt es zahlreiche Beweise: im Zentrum für Antisemitismusforschung Berlin, im Hanseatischen Auktionshaus für Historica und zahlreiche Kopien, die die Angaben in dem Brief bestätigen.)


Am 9. April 1953 erhält Felix Graf von Luckner das große Bundesverdienstkreuz.


Sein Ende


Er wolle hundert Jahre alt werden, hatte er einmal Freunden anvertraut. Der „Sensenmann“ kam etwas früher zum ergrauten Seebären. Graf Luckner starb am 13. April 1966 fast 85-jährig in Malmö/Schweden und wurde am 28. April auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beigesetzt.